Corona – Vergleich zur Grippe

COVID-19, die durch das Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöste Krankheit, hat verschiedene Symptome die der Grippe ähneln, aber auch Alleinstellungsmerkmale. Ich möchte in diesen Beitrag einmal auf die Krankheit COVID-19 eingehen und mit der Grippe, bzw. Influenza Vergleiche ziehen. Ob das überhaupt möglich ist, möchte ich ebenfalls klären.

COVID-19 vs. Influenza

Zunächst möchte ich auf die Symptome eingehen.

Beide Krankheiten zeigen:

  • häufig Fieber
  • trockenen Husten
  • gelegentlich Halsschmerzen
  • selten Niesen

Bei der Grippe

  • kommt es häufig zu Müdigkeit, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und Schnupfen.

Bei COVID-19

  • kann es zu kurzzeitigen Verlust des Geruchssinns oder in seltenen Fällen des Gehörs kommen.

Die Statistik

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Stand: 17.11.2020 (Quelle)
** wird erst seit der 17. Kalenderwoche (20.04.2020) erfasst
Pneumonie: Lungenentzündung

Unterschiede COVID-19 | Influenza

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Soweit die Erkenntnisse bis vor wenigen Wochen. Inzwischen weiß man durch Obduktionen, dass COVID-19 durchaus mehr anrichten kann. Kommt das Virus in den unteren Atemwegen, kann es die Lungenbläschen, die sogenannten Alveolen befallen. Diese sind für den Gasaustausch zuständig, tauschen also verbrauchte, CO2-haltige Luft mit frischem Sauerstoff aus. Eine gesunde Lunge hat 300.000.000 Alveolen (bei Rauchern entsprechend der Dauer und Stärke weniger).

Gelangen die Coronaviren (SARS-CoV-2) in den unteren Atemwegen, schädigen sie dort die Zellen und es entstehen Entzündungen. Dies führt dazu, dass das Immunsystem totes Gewebe in Richtung Alveolen führt und ablagert. Es kommt zur einer Lungenembolie, also ein Verschluss eines Blutgefäßes in der Lunge. Infolgedessen kommt es zu einem erschwerten Gasaustausch und der Patient bekommt Atemnot.

Kaum zu Glauben das man noch vor wenigen Monaten Rauchen als Chance gegen COVID-19 ansah. Vorteile versprach man sich vom Nikotin und wollte an Pflege-Personal Studien durchführen…

COVID-19 und Organschäden

Corona – Vergleich zur Grippe
COVID-19 und Organschäden

Neben der Lunge kann der Coronavirus COVID-19 scheinbar den ganzen Körper angreifen, so aktuelle Untersuchungen¹. Kommt der Virus einmal über die Lunge in den Blutkreislauf (über den erwähnten Gasaustausch), kann er sich im ganzen Körper verteilen. So kann er sich an den Innenwänden der Gefäße andocken. An Blutgefäße, aber auch den Innenwänden der Organe (Niere, Darm, Herz, Gehirn, …). An den Zelloberflächen ist das Enzym ACE-2 verankert, dass den Blutdruck reguliert.

Leider ist COVID-19 in der Lage, über dieses Enzym anzudocken. ACE-2 dient somit als ungewollter Rezeptor und ermöglicht COVID-19 den Eintritt in die Zelle. Es kommt in der Folge zu Zellschädigungen und Gerinnsels (Thrombose). Diese können zu Verstopfungen im Kreislauf oder den Organen führen. ACE-2 gelangt dann ebenfalls in die Zelle und bringt den Blutdruck durcheinander. Es kann in Folge zu einer Mangeldurchblutung kommen, zu Infarkten, geschwollene Finger und Zehen. Vor allem die Nieren können sehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Aber auch der Darm, wo es zu Durchfall und anderen Verdauungsstörungen kommen kann. Betrifft es die kleinen Blutgefäße im Gehirn, kann es zu den bekannten Geschmacks- und Geruchsstörungen kommen.²

COVID-19 und die Blutgruppe

Seit dem 12. Juni 2020 ist bereits bekannt, dass die Blutgruppe scheinbar eine nicht unscheinbare Rolle spielt¹³. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und der Christian-Albrechts-Universität, Kiel, haben in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe aus Norwegen in der weltweit ersten großangelegten Genom-weiten Studie neue Erkenntnisse gefunden. Die Studie wird in „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht werden.

Untersuchung an 1.980 Patienten aus Norditalien und Spanien hatte gezeigt, dass Menschen mit der Blutgruppe A ein um etwa 50 Prozent höheres Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 tragen. Menschen mit Typ-0-Blutgruppe hingegen waren um knapp 50 Prozent besser vor einer ernsten COVID-19-Erkrankung geschützt. Für die Kontrollgruppe wurden aus der Bevölkerung dieser Länder 2.205 zufällig ausgewählte Frauen und Männer gewonnen.

COVID-19 und Vorerkrankungen

Vorerkrankungen spielen eine maßgebliche Rolle neben dem Alter.

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Inzwischen trifft es auch jüngere, wobei auch hier Vorerkrankungen eine große Rolle spielen. Nur wenige Verstorbene haben keine Vorerkrankungen. Folglich – eine ganzheitlich gesunde Lebensweise schützt zwar nicht vor eine Infektion, aber meist (nicht immer) vor schwere Verläufe.

(Diagramm: 10.000 Erwachsene die zwischen Februar und April in Deutschland klinisch behandelt wurden (The Lancet; Quelle).

In der Freien Presse Erzgebirge habe ich zudem einen informativen Beitrag gefunden, der über weitere Symptome sowie der Behandlung von COVID-19 aufklärt: Link als PDF.

COVID-19 – das Gesundheitssystem

Zumindest in Deutschland blieb im Frühjahr 2020 der große Kollaps aus. In der Saison 2020/2021 sah das leider nicht ganz so entspannt aus, wie aus der Presse bekannt ist. Das Problem liegt hier jedoch vor allem beim Personal. Hier wurde seit Jahren nur gespart. Kliniken wurden geschlossen (2020 mitten in der Pandemie 20 Kliniken¹⁵). Das fällt dem Gesundheitssystem jetzt natürlich auf die Füße.

Zwar stehen ITS-Betten bereit, aber zu wenig Personal. Man hat seit Mitte 2020 auf der zweiten Welle „gewartet“, aber kein Personal umgeschult oder anderweitig aufgestockt. Warum nicht?

Es ist kein Geheimnis, das unser Gesundheitswesen ebenfalls kaputt gespart wurde. Zu wenig Personal und chronischer Ärztemangel bestimmen den Alltag. Laut Statista² gab es 2017 deutschlandweit rund 497.200 Krankenhausbetten verteilt auf 1.942 Krankenhäuser. Damit hat sich die Anzahl von Krankenhausbetten verglichen mit dem Jahr 1991 um rund ein Viertel verringert. Dennoch muss man sagen, aktuell gibt es genügend Kapazitäten was Intensivbetten und Beatmungsgeräte betrifft. Allerdings wohl unter anderem  auch auf Kosten von Patienten, die ihre OP (wieder wie im ersten Lockdown) verschieben müssen.

sciencemediacenter.de³ berichtet, dass es in Deutschland 1.160 Krankenhäuser mit intensivmedizinische Betten (ITS-Betten) gibt. So stehen 28.104 ITS-Betten laut DIVI Intensivregister zur Verfügung. Bezogen auf die deutsche Bevölkerung bedeutet das, dass rund 33 ITS-Betten pro 100.000 Einwohner zur Verfügung stehen. Dies ist im Vergleich überdurchschnittlich. In Italien gab es im Jahr 2010 nur 12,5 Betten pro 100.000 Einwohner, in den Niederlanden war es 2018 nur 7,1 Betten pro 100.000 Einwohner. Die skandinavischen Länder haben ähnliche Kapazitäten wie die Niederlande.

Hinweis: Ich möchte an dieser Stelle COVID-19 nicht verharmlosen, sondern einen Überblick zur Verfügung stellen, den man in den Medien kaum sieht.

November 2020 standen von den 27.869 ITS-Betten 6.535 Betten zur Verfügung³. 21.334 Betten sind belegt, ein geringer Bruchteil von COVID-19-Patienten, wie eine Darstellung der Helius-Kliniken verdeutlicht. So befanden sich am 23. November 2020 242 Patienten mit COVID-19 auf Intensivstation und 1.096 Patienten ohne COVID-19. Regional schwankt es natürlich teilweise sehr.

Über Italien habe ich hier berichtet. In den USA gibt es zudem noch nicht einmal ein richtiges Gesundheitssystem, den guten Ansatz von Obama hatte Trump ja wieder abgeschafft. Viele Menschen können gar nicht zum Arzt gehen, weil sie die folgende Rechnung nicht begleichen können. Und so gibt es in den USA auch viel mehr Vorerkrankungen. Neben diesen Grund spielt natürlich auch die teilweise sehr ungesunde Lebensweise der Amerikaner eine wichtige Rolle.

Sinnvolle Präventionen

Regelmäßiges Händewaschen sollte auch ohne extra Aufforderung (auch ohne Corona) „normal“ sein. Wo viele Menschen zusammen kommen, sind auch Abstände von 1,5 Meter sinnvoll. Und auch eine Maske kann sinnvoll sein, wenn man Krank ist. In medizinischen Umfeld kann auch pauschal das Tragen einer Maske sinnvoll sein. Darüber hinaus sollten die Maßstäbe einer Influenza-Infektion greifen. Da uns das Corona-Virus nicht mehr verlassen wird, müssen wir (bzw. unser Immunsystem) lernen damit zu leben. Wir leben mit unzähligen Viren und Bakterien zusammen, ohne direkt zu erkranken.

Abschließend kann man sagen, dass COVID-19 nur teilweise mit der Grippe/ Influenza vergleichbar ist.

Historisches – Erinnerungen aus der Presse

Wie waren die Meldungen zur seit 1968 schlimmsten Grippewelle im Jahr 2017/18?

Der Tagesspiegel am 31.01.2018 zu den USA (Zitat)²⁰

In Kalifornien werden Patienten in Zelten isoliert, weil dort aggressive Influenzaviren kursieren. Ob Europa Ähnliches bevorsteht, ist offen. Seit kurz vor Weihnachten wurden es immer mehr: fiebrige, hustende, erschöpfte Menschen, für die die Ärzte sogar ein Zelt auf dem Parkplatz des Loma Linda University Medical Centers nahe Los Angeles errichten ließen. Etwa 60 Patienten mehr als üblicherweise melden sich dort täglich, seit die Grippewelle die Region erfasst hat.

Zitat aus dem Tagesspiegel¹⁸, 24.02.2018

Ist diese Grippesaison außergewöhnlich? So tragisch jeder einzelne Todesfall ist, so wenig fallen die Zahlen allerdings bisher aus dem Rahmen des Üblichen. In der vergangenen Grippesaison 2016/17 zählte das RKI insgesamt 723 Todesfälle mit nachgewiesener Influenza-Infektion, bei 448 dieser Fälle wurde gemeldet, dass die Person aufgrund der Influenzaerkrankung oder deren Folgen verstorben ist. Von diesen Zahlen ist man zurzeit noch weit entfernt. Noch gravierender als 2016/17 stuft das RKI die Jahre 2012/13 und 2014/15 ein.

Der Spiegel berichtete¹⁹ zur gleichen Zeit (Zitat), 16.03.2018

Ausgedünnte Verwaltungen, Kliniken an der Kapazitätsgrenze: Die weiter anhaltende Grippewelle sorgt an vielen Stellen für Engpässe.

Wirtschaftliche Folgen: Video von WELT, 18.03.2018

Influenza hat Deutschland im Griff: Grippewelle hält weiter an – Kliniken überfüllt, Kreißsäle bleiben geschlossen, Behörden machen dicht: Video

Die Süddeutsche Zeitung titulierte am 24.05.2018 „Grippe-Saison war ungewöhnlich stark“ (Zitat)⁶

Nachweislich 333.567 Menschen sind in der vergangenen Grippesaison erkrankt, 1665 Patienten starben durch Influenza-Viren. Neben Menschen über 60 Jahren waren auffallend viele jüngere Erwachsene von der Krankheit betroffen.

Der Spiegel am 05.06.2018: Grippewelle lässt Krankenstand auf Rekordstand anwachsen (Zitat)²¹

…so viele Krankschreibungen wie seit mehr als 20 Jahren nicht.

Zwischen Ende Dezember und Anfang April erkrankten nachweislich 333.567 Menschen an einer Grippe, mehr als 1.600 Patienten starben daran. Die Zahl der tatsächlich Betroffenen dürfte weit darüber liegen. Denn nicht jeder Grippekranke geht zum Arzt, und nur ausgewählte Praxen schicken Erregerproben ins Labor.

Historisch – 1968 – härteste Grippe-Welle seit 1957

Zur „Asiatischen Grippe 1957 starben in Deutschland 30.000 Menschen. Härter war nur die Spanische Grippe 1918 bis 1920 mit 3 Wellen. Es war gerade Nachkriegszeit und in Deutschland fielen ihr 426.000 Menschen zu Opfer. Im Jahr 1968 war die seit 1957 härteste Grippe-Welle. Auch hier war der Ursprung Asien, genauer Hong-Kong. Verursacher der Pandemie war das Influenzavirus „A/Hong Kong/1/1968 H3N2“. Deshalb wird sie auch als „Hong-Kong-Grippe“ bezeichnet mit 40.000 Toten in der BRD. Die Zahlen sind geschätzt, weil es in dieser Zeit schlicht unmöglich war, die Toten zu zählen. Aus der ehemaligen DDR sind keine Zahlen bekannt. Im Zeitraum von 1968 bis 1970 starben weltweit ca. 1.000.000 Menschen. 

Historisch – Tote in U-Bahn-Schächten und Kühlhäusern

In Berlin wurden die Toten in stillgelegten U-Bahn-Schächten und Kühlhäusern „zwischengelagert“, weil die Leichenhäuser überfüllt waren.  Im Gedächtnis der Menschen hat diese Pandemie keine Spur hinterlassen.

Die Frankfurter Allgemeine (FAZ) titulierte 2005, „Warnung vor einer Weltgrippe“.²²

(Zitat) Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer Influenza-Epidemie von katastrophalem Ausmaß. In Deutschland wird das Risiko verdrängt. Die Vorbereitungen zum Schutz laufen schleppend.

So war es dann auch Januar, Februar 2020, also man die Ausmaße in China längst gesehen hat. Auch als das Coronavirus  Italien fest im Griff hatte, gab es in Deutschland wenig Reaktionen.

Begrifflichkeit „Pandemie“ 2009 geändert

Der Begriff „Pandemie“ wurde zur Schweinegrippe 2009 geändert, bzw. genau genommen kurz zuvor, 2007. Bis dahin gab es eine 6-Phasen-Plan der WHO. Es waren sehr schwere Verläufe mit sehr vielen Toten weltweit nötig, um eine Pandemie ausrufen zu können. Die Situation musste also sehr außergewöhnlich sein. Von nun an reichte es aber, wenn ein Erreger weltweit ausbrach [¹⁶/¹⁷]. Dies ist bereits in schweren Grippe-Verläufen der Fall.


Quellen / Fußnoten öffnen… ¹ https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2007621
² https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/covid-19-krankheitsverlauf-coronavirus-1.4897982
³ https://www.intensivregister.de/#/intensivregister?tab=kartenansicht
https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2019_2020/2020-18.pdf
https://orf.at/stories/3169123/
https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/influenza-grippesaison-war-ungewoehnlich-stark-1.3991499
https://orf.at/corona/stories/3157533/
https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2019/kid_2019_c33_c34_lunge.pdf?__blob=publicationFile
https://www.diabetesde.org/ueber_diabetes/was_ist_diabetes_/diabetes_in_zahlen
¹⁰ https://www.lungeninformationsdienst.de/krankheiten/copd/verbreitung/index.html
¹¹ https://dhs.de/datenfakten/alkohol.html
¹² https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/98062/Drei-Millionen-Todesfaelle-jaehrlich-durch-Alkohol
¹³ https://healthcare-in-europe.com/de/news/schwerer-verlauf-von-covid-19-welche-rolle-spielt-die-blutgruppe.html
¹⁴ https://deutsch.rt.com/international/109526-studie-aus-wuhan-kein-beweis/
¹⁵ https://gesundvision.de/download/Geschlossene-Krankenh%c3%a4user-2020_Screenshot_20210422-081150.jpg
¹⁶ https://www.youtube.com/watch?v=ro730Sk_pN0
¹⁷ https://www.youtube.com/watch?v=1–c2SBYlMY
¹⁸ https://www.tagesspiegel.de/wissen/saisonale-influenza-grippewelle-erreicht-vorlaeufigen-hoechststand/20999458.html
¹⁹ https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/deutschland-grippe-legt-krankenhaeuser-und-aemter-lahm-a-1198398.html
²⁰ https://www.tagesspiegel.de/wissen/saisonale-influenza-grippewelle-trifft-usa-haerter-als-europa/20912844.html
²¹ https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/grippe-laesst-krankenstand-in-deutschland-auf-rekordhoehe-steigen-a-1211336.html
²² https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pandemiegefahr-warnung-vor-einer-weltgrippe-1212053.html


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Torsten Seidel Hier schreibt: Torsten Seidel
Gesundheits-Blogger mit Ausbildung zum ganzheitlichen Gesundheitsberater (fachliche Bez.: "Fachkompetenz für holistische Gesundheit").


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