Mediale Distanz statt Social-Distance?

AKTUALISIERT: 19. April 2020 * LESEZEIT ~ 7 Min.

Kommentar. Seit einem Monat (März 2020) hört man nur noch „Social Distance“ und Hashtags wie #wirbleibenzuhause. Und der Grundgedanke ist sicher nicht der schlechteste. Aber ist das der einige Weg? Ich möchte in diesem Beitrag einmal ein paar Gedanken kundtun.

Seit der Ausgangsbeschränkung am 23. März, ich beschränke mich hier auf Deutschland, ist das Leben nicht mehr das gleiche. Das Leben kommt förmlich zum erliegen und die Wirtschaft liegt brach und wird auch nach den Lockerungen sehr lange daran zu Kämpfen haben. Jeden Tag sind neue besorgniserregende Botschaften zu hören. Übersetzt man das Wort „Social Distance“ wortwörtlich, heißt es nichts anders wie ein gewisser Abstand zueinander einzuhalten. Und das macht bei einer Tröpfcheninfektion auch durchaus Sinn, wohlgemerkt nicht nur bei dem aktuellen Coronavirus. Denn auch andere grippale Infekte könnten so minimiert werden, wenn ein Abstand von 1-2 Meter eingehalten wird.

Medien Distance statt Social DistanceDie offizielle Übersetzung, wie auch in Wikipedia³ nachzulesen, zeigt aber eine andere Erklärung. Hier ist die Rede von einer „räumlichen Trennung“. Auch das kann Sinn machen. Aber müssen Familien getrennt werden, wenn es keine Anzeichen einer Erkrankung gibt? Wohnen diese im gleichen Ort, der gleichen Stadt, ist ein Besuch erlaubt. Wohnt einer der beiden im Nachbarort, nicht. Zweifelsohne müssen Menschen der sogenannten Risikogruppe geschützt werden, notfalls auch innerhalb der Familien.

Mainstream vs. freie Medien

In diesen Tagen kann man eins besonders gut beobachten. Medien werden fein säuberlich in „gute“ und „schlechte“ getrennt. Dabei haben allein die öffentlich-rechtlichen Medien die Wahrheit. Gegenstimmen, selbst von hochrangigen Professoren und Medizinern, die von der offiziellen Darstellung abweichen, werden als Verharmloser abgetan. Und mit dieser Bezeichnung kommen sie noch recht gut davon. Denn mein persönliches Unwort ist „rechte Verschwörungstheoretiker“. Leider konnten mir die Redakteure der Youtube-Plattform „STR_F“ (Funk-Gruppe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks) diesen Begriff nicht erklären, bzw. beantwortete die Frage gar nicht erst. Ich bin generell der Meinung, dass wir als deutsche mit dieser Bezeichnung sehr leichtfertig umgehen.

Sitzen auf einer Parkbank unzulässig?

Am 02.04. sah ich im WDR die Sendung Monitor¹. Darin ein Bericht über Bayern/ Sachsen. Da werde ich als Sachse hellhörig. Es war die Rede von strengen Beschränkungen. Man darf nicht einmal auf einer Parkbank alleine sitzen, so die Aussage.

Zitat: „Einsames Sitzen auf einer Parkbank, in Bayern und Sachsen mittlerweile verboten!“

Auch ein Leiter einer Epidemiologie aus Braunschweig wurde interviewt. Er findet die Maßnahmen zu Recht sehr bedenklich. Denn diese Maßnahme kann auch so interpretiert werden, dass bereits die Luft kontaminiert ist. Das ist aber nicht der Fall. Meine Recherchen² ergaben nach kurzer Zeit ein anderes Bild. Auf der Webseite der Landesregierung Sachsen finden sich dazu folgende Informationen im Bereich der FAQ²:

Ziel der gesamten Maßnahmen ist es, dass sich möglichst wenig Menschen im öffentlichen Raum aufhalten. Sport und Bewegung im Freien müssen daher unter dieser Prämisse gesehen werden. Jede Form von Bewegungssportarten ist hier gemeint. Unter Bewegung fällt selbstverständlich auch der Spaziergang. Zu Sport und Bewegung zählen naturgemäß auch die notwendigen Ruhe- und Entspannungsphasen. Von daher ist beispielsweise auch das kurze Sitzen auf einer Parkbank zulässig.

„Das kurze Sitzen“ nach einem Spaziergang oder anderen sportlichen Aktivitäten ist also offiziell erlaubt; ist kein Mensch in der Umgebung, wird sicher keiner auf die Uhr schauen… Hinweis, auch auf der Webseite des Freistaat Bayern habe ich keine eindeutigen Hinweise gefunden⁴.

Auf Facebook war diese Information zu lesen. Aber was dann nun? Auf schriftlicher Anfrage habe ich hierzu am 08.04. folgende Antwort von der „Monitor Redaktion“ erhalten…

Zitat: „Zu unserem Beitrag zum Thema „Grundrechte“ und der Frage, inwieweit das Sitzen auf einer Parkbank in Bayern und Sachsen noch erlaubt ist, möchten wir Folgendes anmerken:

„In Bayern und Sachsen gilt laut aktueller Verordnung zum Schutz vor dem Coronavirus der jeweiligen Landesregierungen eine „Vorläufige Ausgangsbeschränkung“, die das Verlassen der Wohnung ohne triftigen Grund verbietet (Sachen §2, Bayern §4). Hierbei werden „Sport und Bewegung im Freien“ als triftige Gründe in beiden Verordnungen akzeptiert, das längere Verweilen in der Öffentlichkeit jedoch nicht. Berichte und Videos über Lautsprecherdurchsagen der Polizei in Sachsen, dass das Sitzen auf einer Parkbank nicht der Verordnung entspricht, sowie über Platzverweise von Parkbänken finden sich vermehrt. Es liegt im Ermessensspielraum der jeweiligen Ordnungsbehörde ob sie das Sitzen als kurze Verschnaufpause nach der Bewegung oder als längeres Verweilen einordnen, um die Ausgangsbeschränkung durchzusetzen. Die Polizei München twitterte zum Beispiel ementsprechend am Dienstag noch, dass „ein Buch auf einer Bank lesen nicht erlaubt“ ist. Weil sich Bürger nicht an die jeweiligen Ausgangsbeschränkungen gehalten haben, wurden in einigen Städten wie z. B. Ingolstadt, Vohburg und Schneeberg Sitzbänke abgebaut. Anlage: Verordnung aus Bayern, Sachsen.“

Ich bin also froh, nachgefragt zu haben. Warum aber diese wichtige Anmerkung nicht in der Sendung kam, bleibt offen. Wer also auf einer Bank nur die Sonne genießt, läuft Gefahr Ärger zu bekommen. Das ist laut den Verordnungen auch zulässig. Und auch aus gesundheitlicher Sicht kann man diese Entscheidung nicht nachvollziehen…

Medial bombardiert

Und so liest und hört man im Moment ziemlich viel. Wir werden förmlich bombardiert von Meldungen jeder Art. Kaum ein Sender der aktuell nicht darüber berichtet, kaum ein Video auf Youtube oder Facebook, dass Hintergründe nicht thematisiert. Und das ist grundsätzlich auch gut, bringt aber auch Risiken mit sich. Denn als Laie kennt man sich nicht aus und kann oft den Wahrheitsgehalt und wahren Umfang nicht einordnen. Streng genommen, muss man jede Information nachprüfen.

Allein aus Berufs wegen ziehe ich alle Medien heran, die mir zur Verfügung stehen, um mir ein möglichst guten Überblick zu verschaffen. Doch das ist aktuell nicht möglich. Der Mainstream deformiert alle Meldungen aus dem Netz mit „Verschwörungstheorien“. Selbst Meinungen von Fachexperten zählen nicht. Es scheint, als ob es nur ein paar wenige Experten gibt, die die aktuelle Lage richtig beurteilen können.

Mein Kopf ist voll mit Meinungen und Informationen, dass ich jetzt sehr selektieren muss, was ich mir noch ansehen werde. Denn neben diesen wichtigen Thema geht das Leben durchaus weiter. Diese Dinge strömen ebenfalls auf uns ein. Und da jetzt alle zu Hause bleiben, die keinen triftigen Grund haben, ist das Smartphone für die meisten das am Tage meist genutzte Werkzeug.

Abschalten!

Wir sollten uns vor den Konsum der ganzen Medien schützen. Natürlich sollte man auf den Laufenden bleiben, aber den ganzen Tag? Die Zeit sollte sinnvoll genutzt werden. Ob im Garten, Haushalt, vielleicht sogar beim Handwerken sofern die Materialien zur Verfügung stehen. Auch Spiele mit den Kindern, basteln, musizieren, Kochen, … sind eine gute Möglichkeit auch in der Familie wieder zusammen zu kommen. Wer allein ist, sollte an die frische Luft gehen oder wenn die Möglichkeit besteht, mit dem Fahrrad fahren. Und auch allein kann man sich fernab der Streaming-Plattformen beschäftigen. Ich sage allerdings mich, dass man Kontakte zu Freunden und Familie einschränken sollte. WhatsApp, Skipe und im Business Zoom (…) haben auch berechtigter Weise Hochkonjunktur.

Vor einiger Zeit habe ich bereits einen Beitrag zum Thema geschrieben und gefragt, „Machen uns soziale Netzwerke krank„? Die Frage ist im ganz normalen Leben schon berechtigt. Wenn jetzt Ausgangssperren, bzw. Beschränkungen an der Tagesordnung sind, wird dieses Thema noch brisanter. Auch vor dem Hintergrund, dass diese Beschränkungen zu sehr hoher Wahrscheinlichkeit über den 19.04. bis weit in den Mai hinein gehen werden. Denn wer einen Großteil vor Facebook, Instagram, … zubringt, ist förmlich einer Informationsflut ausgesetzt, die das Gehirn gar nicht mehr richtig verarbeiten kann. Dies wird in der Nacht nachgeholt, ein unruhiger Schlaf kann die Folge sein. Dieser unruhige Schlaf wird noch durch einer mangelnden Bewegung an der frischen Luft begünstigt. Und schlussendlich sind soziale Medien ein Suchtmittel.


Quellen / Fußnoten öffnen…

Quellen
¹ https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-monitor-vom–270.html
² https://www.coronavirus.sachsen.de/
³ https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A4umliche_Distanzierung
⁴ https://www.stmgp.bayern.de/vorsorge/infektionsschutz/infektionsmonitor-bayern/


HINWEIS

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Torsten Seidel Hier schreibt: Torsten Seidel
Fachkompetenz für holistische Gesundheit / ganzheitlicher Gesundheitsberater
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